Fokker DVII aus Depron 1:12


...auf dem Bild zu sehen mit der großen Fokker


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Die 60 cm Spannweite und die glatte Bügeloberfläche der kleinen Fokker DVII waren zwei unüberwindbare Hindernisse. Ein ganz neues Konzept mußte her. Viel mehr in Richtung Bleriot, aber mit einem anständigen Antrieb. Nun waren die Ziele nicht mehr mit "so klein wie möglich", sondern mit "so klein wie nötig" vorgegeben. Beim Antriebskonzept hab ich gute Erfahrungen mit dem Speed 300 mit hohen Untersetzungen bis 1:9 gemacht und gesehen, was man alles aus dem Motörchen herausholen kann. Beim Baumaterial gibt es heute eine traumhafte Alternative zu Balsa & Sperrholz: Depron bzw. Selitron.

Depron ist ein geschäumtes Material, ähnlich Styropor, nur ist Depron viel feiner und hat eine viel glattere Oberfläche. Selitron ist im Prinzip ein identisches Material, jedoch gibt es hier eine Faserrichtung. Man muss also bei Selitron aufpassen, in welche Richtung das Material belastet wird: In eine Richtung (quer zu der Faserung) ist es biegesteif, in die andere Richtung (nun um 90° gedreht: längs zur Faserrichtung) ist es sehr elastisch. Depron bzw. Selitron sind in Baumärkten erhältlich und werden dort als Trittschalldämmung verkauft. Eine Platte in der Größe von 80x120cm kostet ca. EUR 3,-

Doch zuerst mußte geplant werden. Hier die wichtigsten Entscheidungskriterien:

Baumaterial Rumpf & Leitwerk Selitron, 3 mm
Baumaterial Flächen Depron, 5 mm
Motor Speed 300
Getriebe Aeronaut 1:7,33
Luftschraube 23x12 (9x5) oder 20x15 (8x6)
Regler Kontronik 20A
Steuerung Quer, Höhe, Seite, Motor
Servos 3 Stück, je 6g
Akku für Normalflug: 8x750 mAh, NiMH, 104 g
Akku für Kunstflug: 10x750 mAh, NiMH, 128 g
geplantes Abfluggewicht: ca. 350 g

Und damit ergibt sich dann ein idealer Maßstab mit 1:12!

Nach ein paar Nächten am PC entstand dann der folgende Plan im Format A1:

Aus diesem Plan konnte dann ein Schablonenplan - ebenfalls auf A1 - erstellt werden:

Der Schablonenplan wurde auf dünnem Karton (160g/mm²) ausgedruckt. Man benötigt zwar vier Bögen DIN A3 dafür, aber das ist akzeptabel. Die Schablonen wurden dann alle mit der Schere bzw. Tapezierermesser ausgeschnitten.

Im nächsten Schritt wurden dann einzeln alle Schablonenteile auf die Selitron Tafel gelegt und mit dem Balsamesser ausgeschnitten. Binnen wenigen Stunden ist somit der "Bausatz" baureif!

Der Bau selbst geht zügig voran, dank des Plans passen alle Teile wie vorgesehen zusammen. Für die meisten Verklebungen wird UHU por verwendet. UHU por ist ein Kontaktkleber, der einfach und schnell anzuwenden ist. Der gesamte Rohbau ist fast an einem Abend fertiggestellt.

Die beiden Flächen und die Motorverkleidung samt den Maschinengewehren sind abnehmbar. Dadurch ist das Modell sehr transportfreudig und hat auf der Hutablage platz.

Kompliziert wird es bei den Hauptstreben für die obere Tragfläche. Hier muss zuerst ein Hilfsgerüst am Rumpf aufgebaut werden um die genaue Position der Rippen Nr. 38 festzulegen. Danach werden dann die Streben 40, 41, 42 und 43 aus 2x5 mm bzw. 2x7 mm Kieferleiste angepasst und mit schnellbindenden Holzleim verleimt.

Auch das Fahrwerk mit dem Hilfsflügel ist fix verleimt. Die Achse besteht aus 2mm Kohlefaser. Die Räder sind aus Depron (Felgen) und Schaumstoff (Reifen) gefertigt. Der Schaumstoff für die Reifen hat einen Durchmesser von genau 10 mm und ist eigentlich für Fliesenleger zur Hinterfüllung von tiefen Fugen gedacht.

Als Motorhalterung dienen zwei Kieferleisten, 5x5 mm, 1,5 cm lang. Diese sind mit Depron-Resten aufgefüllt und ebenfalls mit Holzleim befestigt. Auf diesen Leisten wird das Aeronaut Getriebe mit zwei kleinen Blechschrauben befestigt.

Höhen und Seitenruder werden mit 0,8mm Stahldraht im Bowdenzug angelenkt. Die Ruderhörner bestehen aus 0,8 mm starkem Sperrholz. Die Querruder sind ebenfalls über Bowdenzug angelenkt, hier gibt es aber noch schöne Umlenkhebel hergestellt aus kleinen Servohebel, gelagert auf einer 2 mm Plastikschraube.

Entgegen dem Plan wird der Rumpfrücken auch aus selitron gebaut und nicht aus Papier. Selitron ist biegsam genug und läßt sich später auch besser benalen als Papier.

Die N-Streben zwischen den Flächen sind auch aus 3mm Selitron, jedoch auf einer Seite mit 0,8 mm Sperrholz verstärkt.

Die Flächen aus dem 5mm Depron müssen nun auch noch "profiliert" werden:

Ach ja, die Flächen werden natürlich "einteilig" hergestellt, nicht so wie auf dem Bild gezeigt nur eine Hälfte.

Auf den ersten Photos ist noch das negative V, hervorgerufen durch das Gewicht der Streben und das Eigengewicht der Flächen zu sehen. Das konnte aber einfach korrigiert werden, indem die Fläche mit Vorspannung (also etwas V) eingeklemmt wurde, mit dem Föhn ca. 15 Minuten lang erwärmt wurde und dann - in der eingeklemmten Position - langsam abgekühlt wurde.

Finale Gewichtsbilanz:

Rohbau
125 g
obere Fläche: 26 g
untere Fläche: 18 g
Streben: 6 g
Rumpf mit Fahrwerk & Pilot: 75 g
Fernsteuerung
43 g
Empfänger, Regler & 3 Servos
Motor, Getriebe & Prop
86 g
Motor: 48 g
Getriebe: 24 g
Propeller: 14 g
Akku (8 Zellen Twicell NiMH)
104 g
Der Akku mit 10 Zellen hat 128 g
Summe:
358 g

Das Bemalungsschema:

Die Bemalung entspricht in etwa der Maschine von Leutnant August Raben, dem Staffelführer von Jasta 18. Sein Kennzeichen war der Rabe.

Lt. Raben flog zuvor einen Fokker Dr.1 Dreidecker mit hellblauer Bemalung und einem weißen Raben auf blauem Grund. Auch gibt es Albaros DV Maschinen in der “Jasta Raben” Bemalung: Rote Flächen, roter Rumpfvorderteil, weißer Rumpfhinterteil und den schwarzen Raben als Insignie. Die Seriennummer ist ebenfalls frei erfunden. Auch der weiße Mittelteil der oberen Tragfläche war beim Original rot, so sieht aber die Maschine hübscher aus.

Flugeigenschaften:

Bodenstart: Nein, auf Rasen nicht möglich. Die Räder sind schmal und haben keine 6 cm Durchmesser. Dafür funktioniert der Handstart umso besser! Die Maschine zieht bereits mit 1/3 Gas kerzengerade weg.

Mit den 8 Zellen hat die Maschine mehr als genung Power und ist über 10 Minuten unterwegs! Die meiste Zeit benötigt man nur 20-25% Gas. Trotz passendem Schwerpunkt hängt die Maschine sehr am Propeller. Wie das Original ist die Maschine sehr wendig. Die Steigleistung ist phänomänal (45°), die Langsamflugeigenschaften sind gut, aber klarerweise nicht so extrem wie bei einem Slow-Flyer mit einem Drittel der Flächenbelastung.

Diese kleine Fokker hat zwei Tücken: Im Langsamflug, kurz vorm Überziehen, geht sie nach rechts weg. Das heißt, will man auf einer schönen Geraden Linie einschweben, dann muss man viel mit Seitenruder arbeiten, um auf Kurs zu bleiben. Die zweite Eigenheit ist, dass sie sich gut in die Kurve legt - und gar nicht wieder heraus will! Klar, wie beim Original gibts kein V, jedoch ist hier die Situation recht brenzlig, da die Maschine bei niedriger Gasstellung in der Kurve sehr viel Höhe verliert. Zieht man in der Kurve dann noch stärker, dann sinkt die Maschine noch schneller! Gibt man mehr Gas, dann fliegt man im Messerflug. Aber da reicht dann manchmal nicht mal Vollgas aus. Einzige Lösung: Mit Querruder die Maschine wieder aufrichten.

Wenn man diese "Ungezogenheiten" kennt, dann sind sie aber kein Problem. Kurven leitet man mit Seite und Querruder ein, in der Kurve selbst steuert man bereits etwas Quer dagegen und kann mit Höhte und Gas den Radius bestimmen. Zu Anfangs hat man das Gefühl, das die Maschine wahnsinnig "schiebt", jedoch ist das kein Nachteil, sondern eine Grundvoraussetzung für ihre Wendigkeit. Wird die Maschine schwungvoll geflogen, dann braucht man nur minimalste Ruderausschläge. Fliegt man sehr langsam und läßt die Maschine in den Wendemanöver auch ab und zu mal am Propeller hängen, dann muss man anständig mit den Hebeln rühren.

Mit den beiden typischen E-Flyer Propeller von Graupner 23x12 (9x5) oder 20x15 (8x6) hatte ich zwar schöne Flüge, aber irgendwie fehlte im Kunstflug die Kraft. Beim Looping war nach dem ersten Viertel kein Schub mehr da, es gelangen nur kleine Überschläge. Das Upgrade auf 10 Zellen half ein wenig, war aber nicht die ideale Lösung.

Abmessungen:

  Maßstab 1:12 Original
Spannweite: 730 mm 8.800 mm
Rumpflänge: 580 mm 6.950 mm
Abfluggewicht: 358 g 880 kg
Fläche: 9,5 dm² 20,5 m²
Flächenbelastung: 37,7 g/dm² 42,9 kg/m²
Bewaffnung: Attrappen 2 LMG08/15




















Der "Rabe":

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Für einen besseren Scale-Look schien ein alter 25x15 (9x6) Holzpropeller für Verbrenner (6,5 ccm) geeignet. Der Propeller wurde auf weniger als 23 cm Durchmesser gekürzt. Dabei konnte dann die richtige Propellerform des Vorbilds verwendet werden. Ja, und mit diesem Propeller gehts nun auch mit 8 Zellen rund! Loopings sind nun auch mit 8 Zellen kein Problem! Mit den 10 Zellen kann man sogar Hovern! Allein die Ruderausschläge der Fokker sind dafür nicht gedacht. Und die Flugzeiten liegen noch immer bei 10 Minuten. Und selbstverständlich wurde für den Holzpropeller auch die Herstellerplakette der Firma Axial Berlin aufgeklebt.

Will man das Modell für die Halle bauen, dann reicht natürlich ein viel kleinere Motor (20g) mit Miniaturregler (<4g). Alle Strebe sollten dann aus Balsa entstehen, der Akku sollte dann schon ein edleres Stück mit LiIon sein, die Flächen aus 3mm Depron, aber nun mit Verspannung. Damit müsste ein Gewicht von weniger als 200g erreichbar sein und damit eine Flächenbelastung unter 20g/dm² womit sie dann kein Park-Flyer, sondern schon ein Slow-Flyer ist. Damit aber der Schwerpunkt passt, sollte die Nase um ca. 2-3 cm verlängert werden, der Akku direkt über dem Motor plaziert werden und die Servos so weit wie möglich nach vorne gerückt.

Fazit:

Ein Scale-Modell im Maßstab 1:12, das preisgünstige Komponenten verwendet, viel Spaß beim Bauen verspricht, toll aussieht und viel Freude beim Fliegen bereitet!

Update 2004:

Neue Akkus: 11,1V - 3 LiPos in Serie -  mit 910 mAh von Multiplex, dazu ein Jamara Magnum Brushless Aussenläufer AL-M 983 (um EUR 37) und ein Regler (um sauteure EUR 57): Startstrecke ist nun weniger als 50cm am Asphalt, die Maschine geht senkrecht nach oben und die Flugzeit liegt bei 20-25 Minuten pro Akkuladung! Das Gesamtgewicht liegt nun bei 300g. Natürlich ist die Maschine etwas schwanzlastig, aber das kompensiert man mit Motorkraft :-)

Zum Torquen sind die Ruder und die Ausschläge etwas zu klein. Da die Querruder scalemäßig angeordnet sind, sind sie auch nicht vom Propeller angeströmt und haben daher beim Torquen oder im extremen Langsamflug kaum eine Wirkung. Rollen kann man auch fliegen, die wirken aber - wie beim Original - eher wie Faßrollen und kommen schööööön langsam. Loops und schnelle Wenden sind die Paradedisziplin der kleinen DVII. Die Wendigkeit ist phantastisch. Mit dem aktuellen Gewicht läßt sich die Maschine auf einem asphaltierten Feldweg vorbildlich landen. Das Höhenruder ist dabei fast voll durchgezogen, die Maschine kommt gut steuerbar mit konstanter Sinkgeschwindigkeit herein und läßt sich ohne Probleme aufsetzen und ausrollen. Keine Überschläge! Mitgeholfen haben die neuen Park-Fly Räder aus dem Modellbauladen, die auf einem 2mm Kohlestab sauber rund laufen.

Spaß machen auch z.B. ein Streamer aus Krepp-Papier (5 cm breit, 4 m lang, an 2 m Nylonschnur), oder  besser aus Geschenkverpackungsschnur (4 mm breit, dafür 20 Meter lang!) oder noch mal besser aus Viscosebast: auch ca. 4 mm breit, aber unglaubliche 30 Meter lang. Mit den großen Streamern fliegt die Maschine unglaublich stabil.
Technische Daten AL-M 983:
Windungen: 30
Spannung: 7 bis 12 Volt
Umdrehung pro Volt: 983
Innenwiderstand: 235mOhm
Leerlaufstrom: 0,50 A
Strom bei maximalen Wirkungsgrad: 5 bis 9 A
Wellendurchmesser: 3,0 mm
Durchmesser/Länge/Gewicht: 28mm/26mmm/ 43 Gramm
2xLiPo 10x4,7 oder 3xLiPo 9x4,7

Technische Daten Regler Jeti Brushless Advance Plus 12-3P BEC (EUR 57):
Zellenanzahl Ni-Cd/NiMh: 6 bis 10 Zellen
Zellenanzahl Li-Po: 2 bis 3 Zellen
Abmessungen: 32x23x6 mm
Gewicht: 10 Gramm
Dauerstrom: 12 A
BEC/Servos: 5 Volt/4
Neue Gewichtsbilanz:
Rohbau
125 g
obere Fläche: 26 g
untere Fläche: 18 g
Streben: 6 g
Rumpf mit Fahrwerk & Pilot: 75 g
Fernsteuerung
33 g
Empfänger, Regler & 3 Servos
Motor, Getriebe & Prop
57 g
Motor: 43 g
Propeller: 14 g
Akku (3s1p LiPo 910 mAh)
79 g

Summe:
294 g
       
 

Nachbauten:

Der Bauplan steht zum Download zur Verfügung und hier sind schon die ersten Nachbauten zu bewundern:

         

           

     
       

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